Das richtige Heu für verschiedene Tiere - Wiederkäuer, Kleintiere

Wiederkäuer wie Rinder, Ziegen und Schafen haben ein grundsätzlich anderes Verdauungssystem als Pferde. Das muss bei der Fütterung mit Heu berücksichtigt werden. Die verschiedenen Tierarten haben sehr unterschiedliche Bedürfnisse bei der Fütterung. Viele Kräuter, die für Rinder und andere Wiederkäuer sehr bekömmlich sind und sehr nährstoffreiches Heu sind beispielsweise für die Pferde nicht geeignet. Das falsche Heu kann zu einer Über- oder Unterversorgung von Nährstoffen und zu Erkrankungen führen, insbesondere bei den empfindlichen Pferden. Die Beschaffenheit für Pferdeheu wird daher noch im Einzelnen behandelt. Auch bei den Kleintieren in Haus und Garten, wie Kaninchen oder Meerschweinchen, muss manches beim Heu beachtet werden.

Heu für Wiederkäuer - Rinder, Ziegen, Schafe

Die Wiederkäuer, zu denen unsere Rinder, Ziegen und Schafe zählen verfügen über ein sehr effektives Verdauungssystem. Sie haben einen vierteiligen Magen. Der Magen besteht aus den Vormägen (Pansen, Netzmagen) dem Blättermagen und dem Labmagen. Feste Fasern im Gras und Heu werden von diesen Tieren vorverdaut, beim Wiederkäuen mit sehr Speichel angereichert und nochmals zermahlen und zur endgültigen Verdauung befördert. Auf diese Weise wird auch das Heu optimal verwertet.

Rinder und Heu

Rinder sind die Wiederkäuer, um die es in der landwirtschaftlichen Viehhaltung vorrangig geht. Zur vermehrten Milchproduktion werden Kühe heute vielfach vorrangig mit Kraftfutter gefüttert. Dabei sind die Kühe in der Lage, das grüne Gras, Wiesenkräuter und Heu in hochwertige Nährstoffe umzuwandeln. Der Wiederkäuermagen der Rinder kommt beim Raufutter mit Verdaulichkeitswerten um die 50 % zurecht. Im Pansen der Kühe werden bei der Vorverdauung wichtige Eiweiße und Fette von den dortigen Mikroorganismen gebildet. Bei den Gärvorgängen im Kuhmagen werden auch schädliche Stoffe von giftigen Pflanzen abgebaut.
Die Heufütterung für Rinder ist natürlich, tiergerecht und spart außerdem Ressourcen bei der Futterherstellung und den vielfach langen Futtertransporten von teurem Kraftfutter. Am Tag kann eine Kuh um die 10 bis 15 kg Heu fressen. Beim frischen Weidegras wird ungefähr die fünffache Menge gefressen. Insgesamt sind Heu und Grünweide sehr effektiv für die Fütterung. Wird aus einem Hektar artenreicher Heuwiese dreimal jährlich Heu gewonnen, kann das eine jährliche Milchproduktion von bis zu 5.000 l bei einer Milchkuh ergeben. Es gibt Einzelerfahrungen von Landwirten im Alpenraum, die sogar auf noch höhere Werte verweisen. Auf 1 kg Heu lassen etwa 0,7 kg Kraftfutter einsparen, ohne die Milchleistung zu verringern. Zu unterscheiden ist allerdings zwischen verschiedenen Heutrocknungen. Von maschinell getrocknetem Heu benötigen die Rinder mehr. Auch die Zeitpunkte der jeweiligen Heuernte wirken sich aus. Heu, das erst während der Wiesenblüte gewonnen wird, führt beispielsweise zur Verringerung der Milcherträge. Wichtige Inhaltsstoffe für das Heu für Rinder sind Rohproteine, Rohfaser, Zucker und Rohasche. Das Rohprotein sichert die wichtige Eiweißversorgung, die Rohfasern sind notwendig für die Pansenfunktion, der Zucker fungiert als schneller Energielieferant und die Rohasche enthält Mineralstoffe. Rohasche sind Bestandteile aus Sand und ähnlichen Bodenbestandteilen im Heu, die jedoch nur reduziert vorhanden sein sollten, da sie sonst den Tieren schaden. Wird Kraftfutter zugefüttert, darf auch der Zuckergehalt im Heu nicht zu hoch sein. Werden mehr als 13 % Zucker nachgewiesen, muss das Kraftfutter reduziert werden. Bei jeden Schnitt hat das Heu eine unterschiedliche Nährstoffanreicherung. So ist beim zweiten Schnitt (Grummet) der Eiweißgehalt besonders hoch. Das Heu aus der dritten Mahd hat besondere Vorteile für die Silage und für die Fütterung von trockenstehenden Kühen sowie Kalbinnen. Die größte Erfahrung mit Heufütterung haben die Alpenregionen, deren Wiesen auch besonders vielfältig und reichhaltig sind. Gutes Rinderheu sollte Klee und Kräuter zur Calciumversorgung im Maß des natürlichen Wiesenvorkommens haben.
Die ausschließliche Weide- und Heunahrung für Milchrinder ist möglich. Da aber die Heuqualitäten, abhängig von Böden, Wetter usw., schwanken, sollte die optimale Futterzusammensetzung regelmäßig kontrolliert werden. Nicht zuletzt sind Milchleistung und Tiergesundheit das Maß der Dinge.

Ziegen, Schafe und Heu

Bei Schafen und Ziegen sollten Weidegrün und Heu die Hauptanteile der Tierernährung bilden. Die alleinige Heufütterung ist insbesondere den Wintermonaten vorbehalten. Bei der Heufütterung mit Heu von natürlichen, vielseitigen Wiesenflächen frisst ein Schaf ca. 500 Gramm Heu je 45 kg Tiergewicht. Besonders hochwertig und reichhaltig ist für die Schaffütterung das später im Jahr geschnittene Heu. Luzerne-/Kleeheu ist besonders nährstoffreich. Allerdings sollte es bei einer Schafzucht von Mutterschafen nur mäßig eingesetzt, das es sich negativ auf den Fleiß beim Lammen auswirken kann.

Ziegen bevorzugen eine Heuqualität mit einem möglichst geringen Rohfasergehalt. Trockene Stängel mit viel Rohfaseranteil werden verschmäht. Bei einer winterlichen Heufütterung, bzw. der Zufütterung mit Heu bei nicht ausreichender Weidenahrung, muss mit Futterresten von bis 20 % bei den Ziegen gerechnet werden. Da Ziegen in noch höherem Maß als Schafe auch Milchlieferanten für verschiedene Lebensmittel sind, ist eine gute Heuqualität besonders während des Winters, der Zeit der Trächtigkeit, notwendig. Der Bedarf an Eiweiß muss durchgehend bei rund 12 %/Trockenmasse angesetzt werden. Vielfach wird vor dem Ablammen der Ziegen noch in bestimmten Mengen Kraftfutter zugefüttert. Das ist allerdings nicht immer erforderlich, wenn insgesamt die Energieversorgung ausreichend ist.

Heu für Kleintiere

Für Kleintiere in Haus und Garten wird Heu in der Regel in loser Füllung gekauft. Heu ist ein wichtiger Grundbedarf für Kaninchen und Meerschweinchen. Wird Heu auch als Einstreu verwendet, nagen die Tiere daran. Da sie gewöhnlich feste Plätze für das Absetzen der Ausscheidungen haben, sollten die mit Spänen oder Stroh ausgelegt werden. Voraussetzung ist, dass das Tierhaus, der Käfig von ausreichender und artgerechter Größe ist. Kleintierheu ist feiner geschnitten, sollte von reichhaltigen Wiesen mit Kräuteranteilen kommen. Das Raufutter ist für Zähne und Stoffwechsel ebenso wichtig wie hartes Futter zum Nagen. Kleintierheu für den privaten, häuslichen Bedarf wird meist in Folienbeuteln gehandelt. Diese Packungen sollten nicht lange offen aufbewahrt werden, da sich Feuchtigkeit und schädliche Keime entwickeln können.

Wiederkäuer - Rinder, Ziegen, Schafe